Daniel Buncic (für Aussprache klicken)
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Russische Lektüreübung zur Einführung in die Textlinguistik

Sommersemester 2003
2 St., Di 12-14, Slavistisches Seminar
Beginn: 29. April 2003; Einstieg noch am 13. Mai möglich!


In der Einführung in das Studium der slavischen Sprachen ist die größte Einheit der Sprache, die besprochen wird, der Satz (der sich aus den kleineren Einheiten, den Morphemen und Phonemen, zusammensetzt). Die traditionelle "Grammatik" (Morphologie und Syntax) funktioniert nur im Rahmen eines Satzes. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Sprachwissenschaft intensiver versucht, auch sprachliche Regelmäßigkeiten größerer Einheiten zu untersuchen. Die Disziplin, deren Ziel dies ist, heißt Textlinguistik.

Die Textlinguistik fragt unter anderem:

  • nach der Abgrenzung des Begriffs Text (z. B. von Satz, Äußerung, 'Nichttext')
  • nach dem Stellenwert der Textlinguistik innerhalb der Sprachwissenschaft
  • nach der typologischen Bestimmung von "Textsorten" (was macht einen literarischen, wissenschaftlichen, journalistischen usw. Text aus?)
  • nach den Gliederungselementen von Texten (z. B. Absätzen)
  • nach dem, was Texte 'zusammenhält' (Kohäsion, Kohärenz, die funktionale Satzperspektive, d. h. die aktual'noe èlenenie predloženija in Thema und Rhema, usw.)
  • nach der Funktion von Texten in der Kommunikation
  • nach kognitiven Aspekten von Texten (Referenz, Metatext, Diskurs usw.)
  • u. v. m.

Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik soll in dieser Übung einigen zentralen Themen an Hand der Lektüre von russischen textlinguistischen Texten nachgegangen werden, wobei verschiedene Ansätze (strukturalistisch, generativ, kognitiv) berücksichtigt werden. Neben russischen (bzw. sowjetischen) AutorInnen wie Gal'perin, Lotman, Nikolaeva, Paduèeva, Pjatigorskij oder Sil'man werden dabei auch ursprünglich nicht russische Texte gelesen, die wegen ihrer Bedeutung ins Russische übersetzt worden sind (v. a. in Bänden der Serie Novoe v zarubežnoj lingvistike, z. B. Dressler, Fowler, Van Dijk, Weinrich, Wierzbicka u. a.). Die ältesten unserer Lektüre-Texte stammen noch aus den 1960er Jahren, der bisher frischeste Text im Angebot ist im Februar 2003 erschienen.

Am Ende des Semesters ergibt sich hoffentlich noch die Möglichkeit, etwas von der grauen Theorie der linguistischen Texte in der Praxis auszuprobieren, indem der eine oder andere (objektsprachliche) Text textlinguistisch untersucht wird.

Die Auswahl der zu lesenden Texte richtet sich in erster Linie nach den Wünschen der Teilnehmenden. Letztere sollten zumindest die Einführung in das Studium der slavischen Sprachen, wenn möglich auch bereits ein sprachwissenschaftliches Proseminar oder auch das gesamte Grundstudium, absolviert haben und ausschließlich aus Spaß an der Linguistik und Interesse am Thema kommen, da diese etwas leseintensivere Übung durch keinen Schein belohnt wird.

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© Daniel Buncic, letzte Änderung: 09.05.2003