Daniel Buncic (für Aussprache klicken)
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Slavische Beiträge zur Entwicklung des Phonembegriffs

Wintersemester 2001/2002
2 St., Mo 13-15, Slavistisches Seminar
Beginn:  23. 10.

 


Das Phonem wird meist als die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der Sprache (oder ähnlich) definiert. Der Erste, der das Wort in diesem Sinne benutzte, war der in Kazan' wirkende Pole Jan Baudouin de Courtenay. Seine Ideen wurden von seinen Schülern (vor allem Kruszewski und Doroszewski) in der so genannten Kazaner Schule weiterentwickelt, auf deren Theorien die Moskauer Schule (Jakovlev, Reformatskij, Panov; Avanesov) und die Petersburger Schule (Šèerba, Matuseviè, Bulanin; Bernštejn) aufbauen.

Es war der im Rahmen der Prager Schule schaffende Russe Nikolaj Trubeckoj (auch: Trubetzkoy), der – auf Ferdinand de Saussures Unterscheidung von langue und parole basierend – die Phonologie als Wissenschaft von den Phonemen begründete. Trubeckojs Landsmann Roman Jakobson ergänzte den Phonembegriff der Prager Schule durch die Einführung der distinktiven Merkmale. Von den genannten Vertretern der strukturalistischen Phonologie lassen sich Querverbindungen zur generativen Phonologie ziehen, welche von den Amerikanern Noam Chomsky (Chomskij) und Morris Halle (übrigens von Haus aus Slavist) begründet wurde.

Dies sind in groben Zügen die Entwicklungslinien, die in der Übung nachgezeichnet werden sollen, indem Texte einiger der genannten Autoren gemeinsam gelesen und die darin behandelten theoretischen Probleme veranschaulicht werden. Dabei ist ein tiefes Verständnis phonologischer Theorie nicht Voraussetzung, sondern Ziel der Übung; die in der Einführung in die slavischen Sprachen zu erwerbenden Kenntnisse der Phonetik und Phonologie werden jedoch vorausgesetzt.

Die zu behandelnden Klassiker der Phonemtheorie haben zumeist in verschiedenen Sprachen geschrieben und sind auch übersetzt, so dass je nach der Zusammensetzung und Sprachenkenntnis der Teilnehmer Texte ausgesucht werden können, die für alle (zumindest sprachlich) verständlich sind.

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© Daniel Buncic, letzte Änderung: 23.10.2001