Eine alternative Leseliste
(aus)gelesen von Sara Hägi und Daniel Bunčić
!! aus dem Jahr 2000 !!
Unter der »klassischen«, »studiumsrelevanten« russischen
Literatur gibt es natürlich auch jede Menge Witziges und flüssig
zu Lesendes: Die »Petersburger Erzählungen« von Gogol'
sind so ein Beispiel. In diesem Kapitel soll es aber in erster Linie um
russische Literatur gehen, die in der Regel nicht in Seminaren
gelesen wird. So kommt man vielleicht einmal mehr dazu, auch in der Freizeit,
ohne Stress und Zwang, Russisch zu lesen und dabei abzuschalten und gleichzeitig
seine Sprachkenntnisse zu verbessern.
Für ganz blutige Anfänger empfiehlt sich z. B. das zweisprachige
Reclam-Bändchen »Slučai / Fälle« von Daniil Charms
(19051942): Mit minimalem Wortschatz und null Grammatik kann man
sich hier über absurde Literatur amüsieren. Wer so etwas mag,
dem gefällt auch Ljudmila Petruševskaja (* 1938), die
viel Tristes geschrieben hat, aber auch eine Menge kurzer und kürzester,
lustiger »Skazki«. Zum Teil beißenden Spott über
die sowjetischen Verhältnisse findet man in den kurzen Erzählungen
von Michail Zoščenko (18941958), vor allem in seiner »Golubaja
kniga« (dt. »Himmelblaubuch«).
Obwohl diese Autoren selten in Seminaren behandelt werden, gehören
sie aber noch zu den »Klassikern«. Von Grigorij Oster,
der seit einigen Jahren in Russland populär ist, kann man das nicht
sagen. Seine Bücher (»Vrednye sovety« und »Zadačniki«
für verschiedene Schulfächer) sind als Kinderbücher aufgemacht,
enthalten aber nur Schoten (prikoly).
Wer lieber einen Roman als Kurzgeschichten oder Witze liest, sich aber
an einen »anspruchsvollen« russischen Roman nicht herantraut,
der lese z. B. die »Wissenschafts-Phantastik« des von Jules
Verne beeinflussten Aleksandr Beljaev (18841942), z. B.
»Golova professora Douélja«, oder Krimis, denn dort wird man
durch die Spannung förmlich durch das Buch gezogen. Zudem
enthalten Krimis meist eine relativ einfache, aber nützliche Alltagssprache.
Einen phänomenalen Erfolg hat in Russland seit einigen Jahren Aleksandra
Marinina (* 1957), deren Krimis hauptsächlich im heutigen
Moskau spielen. Sie hat viele NachahmerInnen hervorgerufen, unter denen
noch die Romane von Poljakova oder Daškova empfohlen werden
können.
Eine ganz andere Möglichkeit ist es, auf Übersetzungen ins
Russische zurückzugreifen, die meist von guter Qualität
sind. »Šerlok Cholms«, »Priključenija Toma Sojera«
und »Malen'kij princ« zum Beispiel sind auch nicht weiter vom
Original entfernt als ihre deutschen Übersetzungen, und man muss
sich nicht zusätzlich zur fremden Sprache auch noch auf einen ganz
unbekannten Kontext einstellen. Witzig ist in dem Zusammenhang auch mal
in eine russische »Mikki Maus« oder in ein »Ulica Sezam«-Heft
reinzuschauen. »Asteriks« haben wir bis jetzt »nur«
auf Polnisch (im Institut!) und Bulgarisch entdeckt...
All diese Literatur könnt Ihr auf verschiedenem Wege bekommen: Was
in der Seminar- oder Unibibliothek nicht vorhanden ist, ist am besten
und billigsten in Russland zu kaufen oder sich von dort mitbringen zu
lassen. Aber auch in Köln gibt es »slavische« Buchhandlungen,
und sogar im Internet könnt Ihr fündig
werden.
Wer weitere Tipps hat, teile uns diese bitte mit.
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